Eine Woche Serbien – ein kurzer Reisebericht

Die meisten von Euch werden in Ihrem Leben nicht auf die Idee kommen, Ihren Urlaub einmal in Serbien zu verbringen. Das ist durchaus verständlich, wenn man bedenkt, dass diese kleine Balkanrepublik keinen Zugang an das Mittelmeer hat, Serbien kein EU Mitglied ist, vor ein paar

Ein wundervoller Ausblick auf die Flüsse Donau und Sava von der Burganlage Kalemegdan

Ein wundervoller Ausblick auf die Flüsse Donau und Sava von der Burganlage Kalemegdan in Belgrad

Jahren noch ein grässlicher Bürgerkrieg dort herrschte, die Menschenrechte sich noch nicht wirklich für alle Gruppen der Bevölkerung durchgesetzt haben und neuerdings (Sommer 2015) sicher auch aufgrund der syrischen Flüchtlingsströme, die an den Grenzen Serbiens auf die Einreise in die EU warten. Wie gesagt, ich finde es durchaus verständlich, wenn Ihr Eure wertvollen Urlaubstage nicht unbedingt in dieser Gegend verbringen wollt. Allerdings verpasst Ihr da was, denn der Balkan ist eine noch recht unbekannte Urlaubsregion, die viele überraschen würden.

Vielleicht wäre ich auch niemals auf die Idee gekommen, dort meinen Urlaub zu verbringen, wenn bei mir die Lage nicht doch ein wenig anders wäre. Ich weiß nicht, ob es Euch schon aufgefallen ist. Der Name Lukic ist ja nicht unbedingt „urdeutsch“. Mein Vater kommt aus Valjevo, einer kleinen Stadt, die etwa 100 km von Belgrad entfernt liegt.  Hin und wieder nutze ich daher meine familiären Bande, um dort ein paar Tage günstig den Sommer ausklingen zu lassen.

Ein Puppenspieler in Belgrad und sein interessiertes Publikum

Ein Puppenspieler in Belgrad und sein interessiertes Publikum

Dieses Jahr war ich mit einer Freundin dort unten. Dank ihr erlebte ich dieses Land noch einmal mit anderen Augen. Denn wenn ich mal ehrlich bin: Ich habe kaum einen Bezug zu Serbien. Ich bin in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und Deutsch ist meine Muttersprache. Serbisch verstehe ich so gut wie gar nicht und aufgrund des Bürgerkriegs habe ich das Land lange Zeit gemieden. Ich bin überzeugte Vegetarierin und trinke so gut wie nie Alkohol. Das sind Eigenschaften, die mit der serbischen Volksseele unvereinbar zu sein scheinen.

Eine leckere Kaffee-Spezialität auf der Terrasse des legendären Hotel Moskau

Eine leckere Kaffee-Spezialität auf der Terrasse des legendären Hotel Moskau

Wir verbrachten zunächst drei Tage in Belgrad, eine wunderschöne Stadt, wenn man mal ein verlängertes Wochenende im Süden Europas verbringen will. Die Innenstadt hat einen maroden Charme, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die großen Ketten sich noch nicht dort niedergelassen haben. Der Aufenthalt ist günstig, das Wetter meistens gut und die Leute sind extrem herzlich, hilfsbereit und gastfreundlich. Mittlerweile sprechen viel mehr Leute Englisch als noch vor ein paar Jahren, was uns unter anderem immer dann half, wenn wir die kyrillisch geschriebenen Speisekarten nicht lesen konnten. Dass wir vegetarisch lebten (eigentlich bin ich Veganerin, aber auf Reisen habe ich das schon lange aufgegeben!), schränkte unsere Auswahl massiv ein. Aber wir sind nie hungrig ins Bett gegangen.

Wer gerne Fleisch vom Grill ist, für den ist dieses Land ein Paradies!

Gegrillte Paprika mit viel Knoblauch - nicht nur ein Genuss für Vegetarier!

Gegrillte Paprika mit viel Knoblauch – nicht nur für Vegetarier ein Genuss!

An jeder Ecke gibt es das typisch serbische Restaurant, in dem man Cevapcici (Hackwürstchen), Pljeskavica (serbische Frikadellen), Rasnici (Fleischspieße) und vieles mehr frisch zubereitet mit Salaten und im eigenen Holzofen gebackenes Fladenbrot zu günstigen Preisen essen kann. Selbst zum Frühstück würde niemand doof gucken, wenn Ihr Euch ein halbes Schwein auf Toast bestellen würdet. Vielleicht müsstet Ihr die Frage beantworten, warum es nur ein halbes Schwein sein soll. Die Serben lieben einfach Fleisch. Das gehört zu jeder Mahlzeit dazu. Und deshalb muss man sich auch nicht wundern, wenn man als Vegetarier gefragt wird, was man denn so isst. Aber bei uns Deutschen ist das ja vielerorts auch nicht gerade anders.

Auf dem Land selbst ist ein wenig schwieriger, wenn man nur mit Englisch im Gepäck unterwegs ist. Aber es ist eben nur schwieriger und nicht unmöglich! Die Leute sind meist freundlich und helfen gerne. Wenn man ein paar Brocken Serbisch rauskramt, öffnen die Gesprächspartner ihr „Englisch-Kästchen“ und dann klappt es auch mit der Kommunikation. Überhaupt sprechen mittlerweile viele junge Leute Englisch, vor allem die Menschen, die mit Touristen zu tun haben.

Noch ist Belgrad (und Serbien) ein kleiner Geheimtipp.

Aber meine Freundin meinte, dass diese Stadt durchaus das Potenzial hätte, zum neuen Barcelona aufzusteigen. Vielleicht übertreibt sie da ein wenig. Ich würde sagen, dass es der kleine Bruder von Barcelona werden könnte. Aber dafür müssten noch viel mehr Menschen den Versuch wagen, dieser kleinen Republik einen Besuch abzustatten.

Ich denke, dass es sich lohnt!