Über mich

Als ich im Jahr 2001 den Entschluss gefasst hatte, für zwölf Monate nach Spanien zu gehen, hatte ich einen Schritt gewagt, der mutig und verrückt zugleich war. Ich hatte damals einen sicheren Job, nette Kollegen und ein gutes Einkommen.

Dennoch war ich nicht glücklich.

Ich war gerade erst 30 Jahre alt geworden. Tag ein Tag aus, ging ich zur Arbeit, machte meine Einkäufe, verbrachte meine Abende auf dem Sofa und freute mich auf das Wochenende. Es war, als ob ich als Fremde auf mein Leben sah.

Ich hatte die Steuerung aus der Hand gegeben.

Alle Wünsche, die ich mit zwanzig für meine Zukunft gehabt hatte, wie die Welt zu bereisen oder als Romanautorin zu arbeiten, waren im Laufe der Jahre einfach verpufft.

Immer wieder wachte ich nachts auf und stellte mir dieselben Fragen: War das jetzt alles? Steckst Du in diesem Leben fest? Ist es noch möglich, etwas zu verändern? Hast Du noch eine Chance, Deine Wünsche zu leben und glücklich zu werden?

Der Tod meiner Mutter war der Auslöser, der letzte Tropfen, den ich benötigte, und der das Fass zum Überlaufen brachte.

Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, denkst Du über die Endlichkeit Deines eigenen Lebens nach.

Dir wird bewusst, dass auch deine Tage gezählt sind, auch wenn ihre Anzahl mit 30 Jahren noch unendlich zu sein scheinen.

Ich war vollkommen ungebunden und hatte keine finanziellen Verpflichtungen.

Ich war frei. Absolut frei.

Der beste Zeitpunkt, um etwas Neues auszuprobieren.

In meinem Job als lebende Statue (damals in Spanien)

In meinem Job als lebende Statue (damals in Spanien)

Einige Freunde meinten, dass es verrückt sei, einen Job aufzugeben, um in eine ungewisse Zukunft zu starten. Das verunsicherte mich damals. Heute weiß ich, dass die Zeit, die ich in Spanien als Straßenkünstlerin gelebt habe, das Beste war, was mir geschehen konnte. Wenn man kein (oder weniger) Geld zur Verfügung hat, verschieben sich unsere Werte. In diesen sieben Jahren habe ich gelernt, dass weniger Besitz glücklicher macht. Dass man die kleinen Wunder im Alltag erkennt, wenn man den “Lärm” um sich herum abstellt. Und dass Zeit viel kostbarer ist als der ganze Schnickschnack, der in den Schaufenstern liegt.

Ich würde es jederzeit wieder tun.

Hin und wieder werde ich gefragt, ob ich mein Glück inzwischen gefunden habe. Diese Frage finde ich schwierig zu beantworten, da das Glück einem Schmetterling gleicht, der sich nur wenige Sekunden niederlässt, um kurz darauf wieder das Weite zu suchen.

Wahrscheinlich erlebe ich heutzutage genauso viele schöne und weniger schöne Dinge wie damals, als ich unglücklich mit meinem Leben haderte. Jetzt erkenne ich allerdings die kleinen, weniger spektakulären Momente, die mein Herz aufgehen lassen. Ich bin nicht mehr der Mensch, der durch das Leben eilt, von einem Termin zum nächsten hetzt und diese schönen Erlebnisse ungeachtet an sich vorüberziehen lässt.

Was mich aber vor allem von meinem früheren Ich unterscheidet, ist die Art, wie ich auf meine Umwelt schaue. Ich nehme viele Sachen nicht mehr so wichtig wie früher, ärgere mich dadurch weniger und reagiere wohl auch gelassener auf die Schwächen meiner Mitmenschen (und natürlich auch meiner eigenen). Vielleicht beschert mir diese Gelassenheit ein zufriedeneres Leben.

Ob ich glücklicher bin?

Wer weiß das schon. Letztendlich sind wir alle doch auf der Suche nach dem Glück, dem inneren Frieden, dem Gefühl, alle Chancen genutzt, nichts verpasst und trotzdem niemanden auf die Füße getreten zu sein.

Viel Spaß beim Stöbern auf MyWorldBlog

Eure Katja Lukic

 

P.S. Mehr über mich, meine Bücher und meine Arbeit als Straßenkünstlerin findet Ihr auf www.silbernasen.de

3 Gedanken zu „Über mich

  1. Christina Weiß

    Hallo!
    Meine Familie hat heute auf der Kieler Woche eine wunderschöne silberne Statue bewundert, die sich zu Spieluhr-Klängen bewegte… Und es war herrlich anzuschauen, wie sich besonders meine 9-jährige Tochter von dieser Vorstellung verzaubern ließ! Wir mussten auf Wunsch der müden Kinder auf dem Rückweg einen Umweg nochmals zu der Statue machen und dort hat meine Tochter den Flyer sowie den Aufkleber mitgenommen. Und somit sind wir hier gelandet. Wir möchten uns ganz herzlich für den Moment des Innehaltens bedanken und werden sicherlich öfters vorbei schauen!
    Mit freundlichem Moin, Moin,
    Familie Weiß

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  2. Gabriele Otto

    Hallo liebe Apfel-Silberfrau!
    Wir haben uns letzten Sonntag am 28. Juni nachmittags kurz vor deinem Feierabend auf dem Rathausmarkt in HH getroffen. Ich bin die Frau, die vor Begeisterung dich zu treffen in Begeisterungsrufe ausbrach. Ich habe deine Bücher gelesen, mit-gefiebert, gelitten und mich gefreut! Deine Bücher habe ich oft verschenkt und werde es weiterhin tun. Sie sind so authentisch geschrieben. Heute habe ich endlich mal wieder deine internet seite geöffnet und ja – ich bin erstaunt was sich da so alles getan hat. Toll! Ich hab mich für den newsletter angemeldet und begleite dich nun durch dein Leben. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas mache. Ich bin ja schließlich nicht mehr die Jüngste ( 63), hihi und mit all der PC Hintergrundtechnik nicht immer konform. Aber man lernt ja jeden Tag dazu. Durch mein neues Ehrenamtprojekt, in unserer Kirchengemeinde muß ich nun auch noch intensiv an Exel ran. Aber Hauptsache man weiß wen ma fragen kann. In diesem Sinne alles Liebe und Gute und hier für dich einen Spruch, den ich mit auf meine letzte Nordspanienwanderreise im Mai/Juni 2015 mitgenommen habe: von Rainer Maria Rilke / ” Wenn die Sehnsucht größer als die Angst ist, wird Mut geboren. Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg.”

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    1. katja Artikelautor

      Ja, ich erinnere mich gut. Das war eine schöne Begegnung.

      Rilke und ich haben zwei Dinge gemeinsam: Die Liebe zu Spanien und die die Liebe zum Schreiben.
      Deswegen freut es mich immer besonders, wenn Leute Rilke zitieren. Danke!

      Liebe Grüße, Katja

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