Über das Schreiben und das Nicht-Schreiben

Seit ein paar Wochen sitze ich wieder diszipliniert an meinem dritten Buch. Also eigentlich ist es ja schon das vierte, da ich ja dieses Jahr mein Kinderbuch „Siggi und die Silberfrau“ veröffentlicht habe. Ich kann also mittlerweile von mir behaupten, Schriftstellerin zu sein. Auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, davon leben zu können. Aber das ist ein anderes Thema.  

Vielleicht habt Ihr schon einmal davon gehört: Schriftsteller leiden oft unter einer Schreibblockade. Das ist ein furchbares Wort, wenn ich es gerade so in die Tasten haue, spüre ich richtig, wie es mir eiskalt den Nacken runter läuft. Früher habe ich, wie so viele meiner Kollegen auch, Ausreden gesucht, um mir und meinem Umfeld zu erklären, warum es bei mir gerade „nicht so gut läuft, das mit dem Schreiben und so“. Man versucht, Erklärungen zu finden, weil das Wetter gerade zu gut ist und man seine Zeit lieber mit Freunden verbringen will. Ein anderes Mal ist das Wetter zu schlecht und man fühlt sich nicht in der richtigen Stimmung, um etwas Gescheites zu Papier zu bringen. Dann gibt man auch mal der Muse die Schuld, die einen gerade im Stich lässt. Aber eigentlich weiß man es besser. Wenn einen das weiße Blatt Papier anlacht (oder oft auch auslacht), dann hat das nicht mit der fehlenden Inspiration zu tun. Im Gegenteil. Wenn man in einer Geschichte nicht weiterkommt und einen die Lust am Schreiben total verlassen hat, dann ist es gerade die Muse (oder die Intuition oder die innere Stimme oder wie auch immer ihr euer Bauchgefühl nennen wollt), die die Alarmglocken schlägt.

Eigentlich weiß man es meistens selbst. Irgendetwas stimmt in der Geschichte nicht. Entweder ist sie gerade zu langweilig und sie kommt nicht in Fahrt, oder ein Protagonist verhält sich nicht so, wie wir das von ihm erwartet hatten. Oder der Plott ist nicht schlüssig.

Im letzten Jahr hatte ich einen guten Teil meines dritten Bandes geschrieben, als mir plötzlich die Geschichte von Siggi wieder in den Sinn kam, die ich im Sommer entworfen hatte. Statt an meinen Roman weiterzuarbeiten, habe ich mich voller Begeisterung auf die Kindergeschichte gestürzt. Die Geschichte war witzig, spannend und nicht allzu lang, sodass man sie eben mal schnell schreiben konnte. Der Roman musste pausieren.

Und dann geschah das, wovor sich jeder Autor fürchtet. Ich hatte den Bezug zur Geschichte verloren. Obwohl Siggi (das Kinderbuch) textlich fertig war und nur ein wenig Feinschliff bedurfte, hatte ich keine Lust mehr, mich an das andere Buch zu setzen. Stattdessen machte ich mich daran, die Illustrationen für das Kinderbuch zu machen, da die befreundete Künstlerin, die eigentlich die Bilder machen wollte, krankheitsbedingt ausfiel. Ich redete mir ein, dass ich meine Bilder sowieso besser machen könnte, da ich während des Schreibens die Bilder eh schon im Kopf habe. Dass ich dafür aber auch dreimal so viel Zeit benötigen würde, wie meine Freundin, das verdrängte ich lieber.

Letztendlich bin ich Stolz auf Siggi und seine Gang. Das Buch war mir eine Herzensangelegenheit und kommt bei meinen kleinen Lesern auch gut an. Nun ist aber wieder Herbst und ich habe in diesem Sommer vielen Menschen versprochen, den dritten Teil meiner Romanreihe im kommenden Sommer mitzubringen, wenn ich wieder auf den Stadtfesten auftrete.

Jetzt, nach einem Jahr und viel Abstand, habe ich den fertigen Teil meines Romans gelesen, und parallel dazu einen englischen Schreibratgeber, bei dem es genau um das Thema Schreibblockaden geht. Es war, als ob jemand in meinem Kopf ein Licht angemacht hätte. Und das, obwohl ich diese Problematik schon kannte und auch in anderen Geschichten dieses Phänomen der inneren Warnlichter kennengelernt hatte. Die Geschichte war einfach zu langweilig. Ihr fehlte der Pfeffer. Wenn ich beim Schreiben schon einschlief, wie sollte es dann meinen Lesern gehen.

Das schöne im Leben ist, dass man aus allem eine Lehre ziehen kann, selbst aus den Dingen, von denen man meint, dass sie einem vermeintlich schaden. Man muss nur erkennen, was man lernen soll und jedes Problem nicht als Problem verstehen, sondern als Chance etwas Neues zu lernen.

Das Buch hat in den letzten Wochen eine neue Richtung bekommen. Es geht darum, was wichtiger ist, sich selbst treu zu bleiben oder einen lieben Menschen nicht zu enttäuschen. Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, und die für viel Zündstoff zwischen Karen und Mona sorgt.