Warum ich mit dem Schreiben anfing?

Seitdem ich denken kann, wollte ich schreiben. Ich war zwar ein kleines Mathe-Genie und konnte bereits vor der Einschulung alle Grundrechenarten besser als manch ein Viertklässler, aber diese Gabe begeisterte mich nicht so sehr wie das Verfassen von Kurzgeschichten. Ich muss sogar gestehen, dass ich in Deutsch immer recht schlechte Noten erhielt. Das lag jedoch nicht an meiner Ausdrucksweise. Ich kam einfach nicht so gut mit der Rechtschreibung und der Grammatik zurechtkam. Das hinderte mich jedoch nicht daran, abends, wenn meine Mutter schon im Bett lag, auf ihrer alten Olympia Reiseschreibmaschine Geschichten auf Papier zu tippen.

Als ich mich irgendwann dem Abitur näherte und mich der Wahl eines Studiums stellen musste, war mir klar, dass ich bei den Germanisten nicht gut aufgehoben sein würde. Damals steckte die Textverarbeitung noch in ihren Kinderschuhen und so ein Programm wie die Duden Rechtschreibhilfe existierte nur in meinen verwegensten Träumen. Ich beugte mich damals dem Druck meiner Familie und der vermeintlichen Vernunft und schrieb mich für das Physikstudium ein. Ein Jahr hielt ich dort aus, bevor ich unter Tränen meiner Mutter beichtete, dass ich todunglücklich mit diesem Studium war.

Meine zweite Wahl fiel auf das Studium des Menschen und seiner Psyche. Schließlich muss jeder Autor sich damit auskennen, dachte ich, und sollte es nicht für eine Karriere als Schriftstellerin reichen, hätte ich wenigstens einen Abschluss als Diplom Pädagogin. Ein Berufsabschluss mit wenig Aussichten auf eine Anstellung und einer großen Karriere, aber immerhin ein Diplom. Meine Familie war beruhigt und ich beschäftigt.

Ich kann nicht behaupten, dass ich durch dieses Studium mit sehr viel Leidenschaft rauschte. Dafür waren die Freizeitangebote, die außerhalb des Campus meine unausgereifte Aufmerksamkeit auf sich zogen, viel zu aufregend. Ich lernte Gitarre spielen, machte einen Kurs der Chinesischen Kaligrafie und entdeckte den Clown in mir. Sie sehen, dass ich nicht wirklich auf meine Ausbildung als Pädagogin fokussiert war. Was mich jedoch mein Leben lang in seinem Bann behielt, waren meine kleinen Geschichten, die mich seit meiner Kindheit begleitet hatten.

Während des Studiums kaufte ich mir einen ersten PC. Wenn Sie vorher ihre Manuskripte in eine Schreibmaschine gehämmert haben, wissen Sie die Vorzüge eines Computers mehr zu schätzen, als die ‚Kids‘ heutzutage. Ich konnte mir zwar nicht die beste Schreibsoftware leisten (damals waren das Programme, die für Firmen konzipiert wurden und dementsprechend teuer waren sie auch), also nahm ich an einer Art ‚Austauschprogramm von Studenten‘ teil. Ich erinnere mich an 3,5 Zoll Disketten (ja, die gab es damals noch), an Seriennummern, die mit der Schrift eines Nerds auf die erste von elf Datenträgern gekritzelt wurde und an Kopien dieser Disketten, die noch jahrelang in meinem Schreibtisch ihr Dasein fristeten, auch noch als die ersten beschreibbaren CDs den Markt eroberten. Lang, lang ist es her. Viel Wasser ist seit damals die Elbe heruntergeflossen und viel Papier wurde durch meine unzähligen Drucker gejagt.

Heutzutage kann sich jeder gute Software leisten. Es gibt so ein großes Angebot, dass man sich Schreibprogramme für wenig oder gar kein Geld zulegen kann. Ich habe mittlerweile zwei Bücher im Eigenverlag herausgebracht. Gerade arbeite ich am dritten Teil dieser Reihe. Für das nächste Jahr plane ich ein Kinderbuch. Ein Jugend- und auch ein Kochbuch sollen folgen.

Mein Kindheitstraum ist wahr geworden. Natürlich kann ich noch nicht von den Honoraren meiner Buchverkäufe leben, aber ich bin auf einem guten Weg und ich bin optimistisch. Ich glaube, dass man, wenn man seine Träume wirklich verfolgt (auch wenn man sie ab und an aus den Augen verliert), an sich glaubt und die Kraft in sich entdeckt und nutzt, dass man dann wirklich alles erreichen kann.

Ob nun meine Leidenschaft für Geschichten, eine verstaubte Gitarre auf dem Dachboden oder der Wunsch, die eigenen Rezepte in einem Kochbuch zu veröffentlichen: Jeder hat eine kreative Ader, die gelebt werden möchte. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle irgendein Talent haben, dass uns fesselt und begeistert. Vielleicht müssen wir diese Leidenschaften ja nicht alle zu unserem Beruf machen, aber wir sollten sie wiederentdecken, an ihnen festhalten und unser Umfeld daran teilhaben lassen.